Ina Kraus und Julia Macharowsky bei ihrem Vortrag
Ina Kraus und Julia Macharowsky bei ihrem Vortrag

Mobbing - auch und besonders an Grundschulen

Früher hieß es "triezen", "schikanieren" oder "fertig machen". Heute heißt es "Mobbing" und ist durch diese Bezeichnung stärker in das Problembewusstsein der Menschen eingedrungen. Mobbing in der Schule steht also für böswillige und bewusste Handlungen, die zum Ziel haben, den Mitschüler oder die Mitschülerin "fertig" zu machen. Der Elternbeirat und die Schulleitung der Grundschule  haben am vergangenen Donnerstag dazu einen Vortrag für Eltern und Lehrer angeboten, bei dem die beiden Referentinnen Julia Macharowsky (GS Furth im Wald) und Studienrätin Ina Krause (Realschule Bad Kötzting) das Problem darstellten. Neben dem Waffenbrunner Kollegium waren auch die Kolleginnen aus Windischbergerdorf anwesend, um sich informieren zu lassen.

Zunächst stellten sie die grundlegenden Beziehungen in Gemeinschaften wie der Schule dar und versuchten ganz normale, immer wieder vorkommende Konflikte (Einzelereignisse, Kampf um Positionen, Einzelgängertum)  von schwerwiegenden Mobbingfällen abzugrenzen. Erstaunlich war, dass die meisten Mobbingsituationen an Grundschulen auftreten. Dies beweist, dass man möglichst frühzeitig bei entsprechenden Vorfällen reagieren müsse, um möglichst schnell Abhilfe zu schaffen.  Mobbing ist gekennzeichnet durch länger dauernde, mindestens einmal pro Woche vorkommende Übergriffe mit einem Kräfteungleichgewicht zwischen Täter und Opfer, wobei letzteres nicht mehr in der Lage ist, aus eigener Kraft das Mobbing zu beenden. Opfer kann im Prinzip jeder werden ohne dass er selbst Schuld an seiner Rolle ist.

Mobbinghandlungen zielen in verschiedene Richtungen und sind Angriffe auf die Möglichkeit sich mitzuteilen (z.B. werden Äußerungen eines Schülers mit abwertenden Reaktionen belegt), auf soziale Beziehungen (z.B. Schüler wie Luft behandeln) oder auf die Gesundheit 8körperliche Gewalt).

Eltern können relativ einfach erkennen, wenn ihr Kind Opfer solcher Handlungen geworden ist. Die Kinder wollen beispielsweise unbedingt zur Schule gebracht werden oder gar nicht mehr zur Schule gehen, leiden unter Konzentrations- und Lernstörungen, reagieren gereizt, nervös und überempfindlich, ziehen sich immer mehr zurück und zeigen Appetitlosigkeit oder Schlaflosigkeit. Eltern sollen derartige „Hilferufe“ erkennen und im vertraulichen Gespräch angehen. Dringend erforderlich ist dabei auch das Gespräch mit dem Lehrer oder der Schulleitung (ohne dem betroffenen Kind), um lösungsorientierte Interventionsmaßnahmen einzuleiten. Eine Bestrafung des oder der Täter ist nicht anzuraten. Nutzlos, so die Referentinnen, sei, das Gespräch mit dem Täter oder dessen Eltern oder ein Schul- oder Klassenwechsel. Die betroffenen Schülerinnen oder Schüler sollten schon beim ersten Mal mit Eltern, Lehrern oder guten Freunden darüber sprechen, sachlich bleiben und den Täter nicht herausfordern sowie eventuell von „Zuschauern“ konkret Hilfe einfordern, aber sich keineswegs „freikaufen“.

Um mögliche und zielführende Interventionen durch die Schule einzuleiten können sich die Lehrer im Rahmen einer eigenen Fortbildung kundig machen. Dazu boten sich Julia Macharowsky und Ina Krause an. Kurz warnten sie auch vor der, vor allem bei Jugendlichen, zunehmenden Form des Cybermobbings.