Konflikte zwischen Schüler, Eltern, Lehrern

Konflikte zwischen Kindern untereinander und mit ihren Eltern oder Lehrern haben vielfach mit ihrer körperlichen und seelischen Reifung zu tun und sind stets unter diesen Gesichtspunkten auch anzugehen und zu bewältigen. Dies war Grundtenor eines Vortrags der Erzieherin und Heilerziehungspflegerin Margarethe Karl aus Hof an der Grundschule in Waffenbrunn, den der Elternbeirat der Schule angeboten hatte. Über 40 Interessierte, darunter auch Lehrerinnen aus Waffenbrunn-Willmering und Windischbergerdorf waren von der kurzweiligen, praxisnahen und humorvollen Vortragsweise der Referentin begeistert.

 

Zunächst skizzierte Frau Karl kurz, wie sich Kinder im Kleinkind- und Grundschulalter entwickeln. Die grundlegende Verschiedenartigkeit von Mädchen und Buben werde heute vor allem durch das radikal geänderte Erziehungsverhalten berührt. Buben wurden früher als die künftigen „Ernährer“ der Familie, Mädchen auf Haushalt und Kinderpflege hin erzogen. Heute seien Frauen ganz selbstverständlich berufstätig und werden vielfach auch als „starkes Geschlecht“ bezeichnet. Die Rolle der Männer habe nicht mehr die Dominanz wie bei früheren Generationen. Dabei sei zu berücksichtigen, dass sich bei der Entwicklung der befruchteten, zunächst rein weiblichen Eizelle erst nach etwa acht Wochen die Geschlechter ausbilden. Damit seien die Buben in ihrer gesamten Entwicklung um eben diesen Zeitraum zu spät dran. Das Wachstum der Mädchen laufe viel gleichmäßiger ab, während Jungen regelrechte Wachstumsschübe durchzustehen haben. Jungen können daher bei der Einschulung bis zu einem Jahr gleichaltrigen Mädchen hinterherhinken.

 

„Der Kindergarten ist Schutzraum für die Kinder, mit dem Schuleintritt geht es hinaus in die Welt“, so Frau Karl. In der ersten und zweiten Jahrgangsstufe lernen die Kinder vorwiegend für ihre Eltern und Lehrer, wobei das Wort der Lehrerin oder des Lehrers meist mehr gilt als das der Eltern. Damit die Kinder ihrer späteren Rolle im Leben gerecht werden können, brauchen sie Mutproben und müssen lernen, im Spiel ihre Aggressionen abzubauen.  Die Eltern und Lehrer sollten dabei einen Rahmen vorgeben und auf das Einhalten klarer Regeln achten. Gleichaltrige und Gleichgeschlechtliche werden wichtig, wobei häufig wechselnde Freundschaften, bei Mädchen oft Gemeinheiten zu Freunden, bei Jungen verstärkte Rauflust festzustellen sind.

 

Zwischen acht und zehn Jahren beginnt die Abnabelung von den Eltern, Grenzen werden überschritten, um sich zu erproben. In dieser Phase seien Gespräche mit den Kindern und viel Vertrauen notwendig.  Frau Karl verhehlte nicht, dass gerade der Übertritt in dieser Phase zusätzliche Probleme für Kinder (Ängste) und Eltern schafft und körperliche Veränderungen durch die beginnende Pubertät zusätzliche Schwierigkeiten auftürmt. „Erzieherische Handeln wird in dieser Zeit zu einem Drahtseilakt“, so die Referentin. Gerade jetzt sei es wichtig, dass die Kinder Möglichkeiten finden, im Spiel ihre Aggressionen und Ängste zu beherrschen, dass sie Erfahrungen machen können, damit sie ein gesundes Selbstbewusstsein aufbauen können.

 

Konflikte äußern sich in dieser Phase beim Streit um „ihren“ Platz in der Gemeinschaft, beim Stillsitzen, provozieren und andere ärgern. Sie müssen lernen, mit Niederlagen umzugehen, um Verluste zu trauen (Haustier, Großeltern, Eltern bei Trennung usw.). Hier sei die Vorbildfunktion der Eltern und Lehrer unerlässlich. Es müsse viel mit den Kindern gesprochen werden. Sie sollten bei bestimmten Dingen mitbestimmen dürfen, Aufgaben erfüllen, mit Respekt behandelt werden und fairen Umgang untereinander pflegen. Allerdings müssen auch Grenzen aufgezeigt und oft für die Kinder unangenehme Konsequenzen gezogen werden. Vor allem müssen gerade Erzieher in dieser Zeit Ruhe bewahren und besonnen und überlegt Sanktionen angehen. „Zeigen Sie den Kindern, dass sie Ihnen wertvoll und wichtig sind. Nur so können die Kinder Selbstvertrauen aufbauen und ihren Sinn im Leben finden“, meinte die Referentin.  

 

Elternbeiratsvorsitzender Reinhold Huger bedankte sich abschließend mit einem Präsent für den aufschlussreichen und fundierten Vortrag.